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Karte

19322 Groß Breese

Prignitz


Siedlungsform:Ursprünglich Rundling
Ersturk. Erwähnung:1406 Brese; 1441 groten brese

Das 1406 erstmals urkundlich genannte Groß Breese war ehemals als Runddorf angelegt. Im Ort gab es ein Rittergut der Familie von Retzdorf, die zugleich Patronatsherren der Kirchengemeinde waren. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde Groß Breese bereits im 17. Jahrhundert wieder besiedelt.


Ein Großfeuer vernichtete den Ort am 4. April 1840 in nur wenigen Stunden fast vollständig. Als Hauptursache der Brandkatastrophe ist die enge Bebauung im Runddorf anzusehen. Um den kleinen Dorfplatz lagen dicht gedrängt 21 Bauern- und 4 Kossätenhöfe sowie der Guts- und Pfarrhof. Inmitten des Dorfes stand die Kirche, von einem Friedhof umgeben. Eine räumliche Ausdehnung auf der alten Dorfstelle war nach dem Brand nicht möglich, da das am Rande der Karthaneniederung gelegene Gelände bei Hochwasser häufig überschwemmt wurde.


So fiel noch im selben Jahr die Entscheidung, das neue Straßendorf ca. 500 m weiter nördlich auf einer Dünenkette, den Wulfsbergen, planmäßig anzulegen. Die großzügige, klar gegliederte und reich durchgrünte Dorfanlage ist ein anschauliches Zeugnis für eine an die umgebende Landschaft und wirtschaftlichen Erfordernisse angepasste Dorfplanung und ein Beispiel für die Praxis der staatliche gelenkten Dorferneuerung in Brandenburg-Preußen. In der Großzügigkeit der Anlage (z.B. Parzellengrößen), den Abständen der Bebauung untereinander, den dazwischenliegenden Gärten und dem breiten Straßenraum mit Alleebepflanzung spiegeln sich beispielhaft die Umsetzung damals modernster städtebaulicher Ziele, zu denen vor allem Feuersicherheit und Hygiene gehörten.


Im neuen Straßendorf trennte die 45 m breite Dorfstraße die nördliche und die südliche Häuserzeile voneinander. Hier erhielten die Bewohner des ehemaligen Runddorfs ihre neue Hofstellen zugewiesen: 13 Höfe lagen zu jeder Seite der Straße (21 Bauern- und 4 Kossätenhöfe sowie der Pfarrhof). Das Gut wurde nicht wieder aufgebaut. Für Kirche, Schule und Friedhof blieben die Parzellen zunächst noch frei. Die nur wenig zerstört gebliebene alte Kirche und der Kirchhof wurden anfänglich weiterhin genutzt.


Ab 1840 entstanden eingeschossige Wohnhäuser mit Altenteil (Bauernhäuser) und Doppelwohnhäuser in Traufstellung zur Straße. Sie wurden aus Fachwerk mit Ziegelausfachungen, seltener mit Lehmstakenausfachungen (zum Teil hofseitig), errichtet und erhielten Satteldächer mit Ziegeldeckungen. Eine Ausnahme bildet das Schulzenhaus (Groß Breeser Allee 40/41), das zweigeschossig und als Torhaus errichtet wurde.


Ebenfalls ab 1840 wurden die Scheunen erbaut. Sie entstanden aus Lehmfachwerk und erhielten Strohdächer. Die Scheuen sind parallel zu den Wohnhäusern ausgerichtet und bilden den Abschluss der späteren Vierseitenhöfe und damit die hintere Raumkante des Dorfes. Die südliche Häuserzeile wird nach Westen vom Grundstück der Schmiede begrenzt. Westlich davon liegt das noch unbebaute Grundstück Schulz. Eine Karte von 1852/53 zeigt für das Grundstück der Schmiede bereits eine dreiseitige Bebauung. Die Dorfstraße verschwenkt hier nach Süden und mündet dann auf den heutigen Weisener Weg. Das Grundstück der Schmiede wird von der östlich gelegenen Hofstelle durch einen Weg getrennt, der zum alten Runddorf führt. Es ist möglich, dass die Schmiede schon vor 1840 an dieser Stelle nahe der alten Poststraße lag und in das neu anzulegende Straßendorf integriert wurde. Belege dafür sind jedoch bislang nicht bekannt.


Außerhalb der historischen Dorfanlage, am westlichen Gemarkungsrand stand der Müllerhof nebst Mühle (verzeichnet in der Karte von 1852/53). Das Spritzenhaus erhielt, nach den Erfahrungen der Brandkatastrophe, einen zentralen Standort im Dorf. Die Karte von 1852/53 zeigt das Spritzenhaus östlich des Pfarrhauses auf dem für die Kirche freigehaltenen Platz in einer Flucht mit den Wohnhäusern. Es wurde jedoch später abgetragen und stand dann hinter der Kirche, heute auf dem Grundstück hinter der ehemaligen Schule.


Um 1846 wurde das Schulhaus errichtet. 1878 wurde die Kirche, die noch immer auf der alten Dorfstelle stand, abgetragen. 1879 entstand im Zentrum des Straßendorfes auf dem dafür vorgesehenen Platz ein neoromanischer Backsteinbau in städtebaulich begründeter Nord-Süd-Ausrichtung. Ihr Standort weicht von der Bauflucht der Wohnhäuser in nördlicher Richtung leicht ab. Dies könnte mit dem damaligen Standort des Spritzenhauses zusammenhängen, das bereits in der Bauflucht der Wohnhäuser auf dem Platz für die Kirche errichtet worden war.


Von den ab 1840 und in den Jahrzehnten danach entstandenen Wirtschaftsgebäuden sind nur sehr wenige Beispiele erhalten. Die Karte von 1852/53 zeigt Nebengebäude lediglich auf Hof Nr. 9 (Prediger), im hinteren Hofbereich von Hof Nr. 28 (Schulz Bethke) und auf Hof Nr. 33 (Schmied Krüll). Es ist jedoch davon auszugehen, dass es weitaus mehr Nebengebäude gab, diese aber in der Karte nicht dargestellt wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurden sie in der Regel durch massive Ziegelbauten ersetzt oder ergänzt. Aus dieser Zeit stammen die stattlichen Ställe (häufig mit Schmuckgiebeln), Backhäuser und Wirtschaftsgebäude. Wohnhäuser, Scheunen, Ställe und Wirtschaftsgebäude ergeben eindrucksvolle Vierseitenhöfe. Die Baufluchtlinie der Wohnhäuser wird zusätzlich durch massive Einfriedungen sichtbar verstärkt. Auch sie entstanden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich überwiegend um Ziegelsteinmauern (häufig mit Zierelementen wie Zahnleisten und Türmchen versehen), seltener um Feldsteinmauern.


Die beiden Häuserzeilen trennt ein besonders großzügig angelegter Straßenraum. 1840 pflanzten die Bewohner zur Befestigung der sandigen Dorfstraße zunächst je zwei Reihen Pappeln. Sie wurden um 1890 durch eine achtreihige Allee (überwiegend aus Linden, Eichen, Ahorn und Kastanien) ersetzt. Heute ist die Allee sechsreihig. Die Baumreihen greifen die Baufluchtlinien der Wohnhäuser und Einfriedungen auf. Dadurch findet die klare Gliederung der Bebauung in der Anlage der Allee ihre Fortsetzung. Am westlichen Dorfeingang verschwenkt die ansonsten schur-gerade Straße in südlicher Richtung. Die Allee mündet in eine platzartige Erweiterung, die den großzügigen Charakter der Dorfanlage noch verstärkt.


Durch die Übergangslage zwischen den großen Waldgebieten des Perleberger Stadtforstes und den Wiesen und Feldern der Karthane- und Elbeniederung hat sich bis heute für Groß Breese der natürliche Bezug zwischen Dorf und Landschaft erhalten können. Der Ortsrand ist gekennzeichnet durch einen harmonischen Übergang der Bauerngehöfte mit standortgerechter Vegetation über hofnahes Weideland zur freien Landschaft. Die Dorfanlage wird von einem äußeren Wegenetz umgeben, das bereits in der Karte von 1852/53 dargestellt ist. Neben dem großen Grünbereich der Dorfstraße, dem Großgrün zwischen den Scheunen (v.a. Eichen), gibt es noch viele dorftypische Obstgärten und Reste einer üppigen Ruderalvegetation.


Die städtebauliche Bedeutung von Groß Breese ist begründet in der in ihrer Struktur und ihrem Erscheinungsbild weitgehend geschlossen erhaltenen historischen Anlage des Straßendorfs mit dem baulichen Zentrum um die Kirche, der Einbettung des Dorfs in die Landschaft, den gleichartig gestalteten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und der Weiträumigkeit der Dorfanlage, die sich in der Parzellengröße und der Größe der bebauten Hofbereiche, den großzügigen Abständen der Bebauung untereinander und in der Breite der Dorfstraße mit den mehrreihigen Baumalleen widerspiegelt. Hierzu gehört auch die von der Landstraße und den Wegen sowie aus den umgebenden Landschaftsräumen erlebbare Dorfsilhouette.


Die volkskundliche und sozialgeschichtliche Bedeutung der Dorfanlage Groß Breese ist gegeben durch die anschauliche Ablesbarkeit der von der Landwirtschaft geprägten Bauformen sowie Arbeits- und Lebensverhältnisse mittel- und kleinbäuerlicher Schichten im 19. und 20. Jahrhundert.

Volkskundlich bedeutend sind auch die Balkeninschriften der Wohnhäuser aus dem Jahr 1840, von denen nur noch wenige erhalten sind. Sie geben Auskunft über Erlebnisse und Erfahrungen der Dorfbevölkerung zur Brandkatastrophe im April 1840. Die Sprüche und Verse sind ein wertvolles Zeugnis der Volkskultur des 19. Jahrhunderts auf dem Lande.


Die geschichtliche Bedeutung von Groß Breese leitet sich vor allem aus der besonderen Entstehungsgeschichte der Dorfes ab, das nach der Zerstörung des Runddorfs ab 1840 als Straßendorf an neuem Standort angelegt wurde. Sie ist Zeugnis eines planmäßigen, staatlich gelenkten Wiederaufbaus unter Berücksichtigung von damals modernsten städtebaulichen Gesichtspunkten, insbesondere der Feuersicherheit.


(Text: Silke Last, Groß Breeser Allee 33a, 19322 Breese, OT Groß Breese, 2007)

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Baujahr: 1879
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Stall
19322 Groß Breese
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Backstein

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